Ratgeber · Arbeitszeit

Sollzeit: Bedeutung, Berechnung und der Unterschied zur Istzeit

Sollzeit hat in der Gebäudereinigung zwei Bedeutungen: die Arbeitszeit, die eine Reinigungskraft laut Vertrag schuldet, und die Zeit, die ein Objekt laut Kalkulation braucht. So berechnest du beide und gleichst sie mit der Istzeit ab.

Aktualisiert am 26. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Zwei Bedeutungen: Meist ist die Soll-Arbeitszeit gemeint, also die Stunden laut Arbeitsvertrag. In der Kalkulation heißt Sollzeit auch die Zeit, die ein Reinigungsobjekt laut Leistungsverzeichnis braucht.
  • Pro Monat: Wochenstunden ÷ 5 × Arbeitstage: Bei 20 Wochenstunden sind das im November 2026 84,00 Stunden. Verstetigt mit dem Faktor 4,35 sind es jeden Monat 87,00 Stunden.
  • Soll gegen Ist: Bei Personen landet die Differenz im Zeitkonto, Urlaub, Krankheit und Feiertage zählen als erfüllt. Bei Objekten zeigt sie, ob Kalkulation und Preis stimmen.

Was ist die Sollzeit?

Die Sollzeit ist die Zeit, die gearbeitet werden soll. In der Gebäudereinigung hat das Wort zwei Bedeutungen, die man auseinanderhalten muss. Meist ist die Soll-Arbeitszeit gemeint, auch Sollarbeitszeit oder vertragliche Arbeitszeit genannt: die Stunden, die eine Reinigungskraft laut Arbeitsvertrag schuldet. In der Kalkulation heißt Sollzeit, auch Vorgabezeit, die Zeit, die ein Objekt laut Leistungsverzeichnis braucht.

Beide werden mit derselben Istzeit aus der Zeiterfassung verglichen, aber mit unterschiedlichem Ziel. Die Soll-Arbeitszeit entscheidet über Lohn und Zeitkonto. Die Sollzeit im Objekt entscheidet über Preis und Einsatzplan.

Soll-ArbeitszeitSollzeit im Objekt
Bezieht sich aufeine Personein Objekt
GrundlageArbeitsvertragLeistungsverzeichnis und Leistungswerte
Beispiel20 Stunden pro Woche10,42 Stunden pro Woche
Verglichen mitArbeitszeit aus der Zeiterfassungerfasster Zeit im Objekt
Abweichung führt zuPlus- oder Minusstunden im ZeitkontoNachkalkulation, neuer Preis oder Plan

Wie berechnest du die Soll-Arbeitszeit?

Die Soll-Arbeitszeit eines Monats berechnest du aus den vereinbarten Wochenstunden. Die gehören in den Arbeitsvertrag oder den Nachweis der Arbeitsbedingungen (§ 2 Abs. 1 Nr. 8 NachwG). Vollzeit sind in der Gebäudereinigung nach dem Rahmentarifvertrag 39 Stunden pro Woche, regelmäßig 8 Stunden am Werktag. Für den Monat gibt es zwei übliche Rechenwege:

  • Kalendergenau: Wochenstunden ÷ 5 × Arbeitstage des Monats. Der November 2026 hat 21 Arbeitstage von Montag bis Freitag, Allerheiligen fällt auf einen Sonntag. Bei 20 Wochenstunden sind das 4 Stunden × 21 = 84,00 Stunden.
  • Verstetigt: Wochenstunden × 4,35, jeden Monat gleich. Der Faktor kommt aus 261 Arbeitstagen ÷ 5 ÷ 12 Monaten, so rechnet auch der Lohntarifvertrag der Gebäudereinigung (§ 4) den festen Monatslohn für Minijobs der Lohngruppe 1. Bei 20 Wochenstunden sind das 87,00 Stunden.
WochenstundenNovember 2026verstetigt
9 Std. (Minijob)37,8039,15
20 Std. (Teilzeit)84,0087,00
39 Std. (Vollzeit nach RTV)163,80169,65

Für einen Minijob mit 9 Wochenstunden ergibt der verstetigte Weg 39,15 Stunden und bei 15,00 € Tariflohn 587,25 € im Monat, knapp unter der Minijob-Grenze von 603 €. Welchen Weg du nimmst, legst du einmal fest und bleibst dabei, sonst schwanken die Zeitkonten ohne Grund.

Feiertage, Urlaub und Krankheit erzeugen keine Minusstunden. Die ausgefallene Arbeitszeit wird bezahlt, als wäre gearbeitet worden (§ 2 und § 4 EFZG), und zählt deshalb als erfüllte Sollzeit. Weil Feiertage Ländersache sind, unterscheiden sich die Zahlen: In Sachsen ist der Buß- und Bettag am 18. November 2026 frei. Eine Kraft mit 20 Wochenstunden arbeitet dort im November 80,00 Stunden, die 4 Stunden des Feiertags werden gutgeschrieben, die Sollzeit ist trotzdem erfüllt.

Soll gegen Ist: Zeitkonto und Plusstunden

Am Monatsende vergleichst du die Soll-Arbeitszeit mit der Istzeit aus der Zeiterfassung. Hat die Kraft mit 20 Wochenstunden im November 92,00 Stunden gearbeitet und rechnest du verstetigt mit 87,00 Stunden, entstehen 5,00 Plusstunden. In Lohngruppe 1 zahlst du sie spätestens am 15. des Folgemonats aus. Ein Jahresarbeitszeitkonto erlaubt der Rahmentarifvertrag nur für die Lohngruppen 6 bis 9. Arbeitet sie weniger, entstehen Minusstunden. Nacharbeiten lassen darfst du nur Stunden, die sie selbst versäumt hat, nicht die einer Kundenabsage.

Für das Konto gelten Grenzen. Der Branchenmindestlohn nach dem Tarifvertrag Mindestlohn (2026: 15,00 € in Lohngruppe 1) ist spätestens am 15. des Folgemonats fällig. Ausgenommen sind nur Stunden auf einem Jahresarbeitszeitkonto nach § 4 RTV, das es nur für die Lohngruppen 6 bis 9 gibt, mit höchstens 150 Plus- und 30 Minusstunden. Die Zwölf-Monats-Frist aus § 2 Abs. 2 MiLoG gilt nur für den gesetzlichen Mindestlohn. Bei Minijobs zählt jede bezahlte Plusstunde für die Grenze von 603 € im Monat, mehr dazu unter Minijob. Wie du Plus- und Minusstunden Monat für Monat abrechnest, zeigt der Artikel Arbeitszeitkonto.

Sollzeit im Objekt: die kalkulierte Reinigungszeit

In der Kalkulation ist die Sollzeit die Zeit, die ein Objekt braucht, um das Leistungsverzeichnis zu erfüllen. Du rechnest sie je Raumgruppe: Fläche aus dem Aufmaß geteilt durch den Leistungswert, mal Reinigungen pro Woche. Für das Bürogebäude mit 600 m² aus der Vorkalkulation:

Summe aller Raumgruppen = 10,42 Std. pro Woche × 4,33 = 45,12 Std. im Monat

Diese Zeit ist die Grundlage für den Preis (45,12 Stunden × 30,02 € = 1.354,50 € im Monat) und für den Einsatzplan. Am Montag und Donnerstag sind alle Raumgruppen dran, zusammen 3,23 Stunden oder 194 Minuten, an den übrigen drei Tagen nur Flure, Teeküche und Sanitär mit 1,32 Stunden oder 79 Minuten. Wie daraus Schichten werden, zeigt der Artikel Objektplan und Personenplan.

Vertraglich geschuldet ist bei der Unterhaltsreinigung in der Regel der Reinigungserfolg, nicht die Stundenzahl. So formuliert es auch der Bundesinnungsverband in seinen Vergabe-Empfehlungen. Derselbe Verband empfiehlt öffentlichen Auftraggebern aber ein fristloses Kündigungsrecht, wenn die kalkulierten Stunden drei Monate in Folge um mindestens 20 % unterschritten werden und angezeigte Mängel trotz Abmahnung bleiben. Die Sollzeit, die du im Angebot nennst, solltest du also auch einplanen.

Sollzeit, Planzeit und Istzeit

Im Alltag begegnen dir vier Zeiten. Sie hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe:

ZeitWas sie zeigtBeispiel
Soll-Arbeitszeitwas eine Person laut Vertrag schuldetKraft A: 20 Std. pro Woche
Sollzeit im Objektwas das Objekt laut Kalkulation braucht10,42 Std. pro Woche
Planzeitwas im Einsatzplan eingeteilt ist194 Min. am Mo und Do, 79 Min. an den übrigen Tagen
Istzeitwas die Zeiterfassung zeigt11,30 Std. in einer Woche

Liegt die Istzeit im Objekt über der Sollzeit, kostet dich das Geld. Braucht das Bürogebäude in einer typischen Woche 11,30 statt 10,42 Stunden, sind das 0,88 Stunden oder 8,4 % mehr, im Monat 3,81 Stunden und 88,28 € Lohnkosten, die im Preis nicht stecken. Ob das ein Ausreißer ist oder die Leistungswerte nicht stimmen, klärt die Nachkalkulation, ein systematischer Soll-Ist-Vergleich über mehrere Wochen.

Dieselben Stunden landen gleichzeitig im Zeitkonto der Reinigungskraft. Dort sind sie Plusstunden gegenüber ihrer Soll-Arbeitszeit. Eine Abweichung im Objekt zeigt sich deshalb oft zuerst als wachsendes Zeitkonto.

Sollzeiten in Mendato

In Mendato hinterlegst du für jede Reinigungskraft ein Arbeitszeitmodell mit den Wochenstunden als Soll-Zeit. Das Zeitkonto bucht die Differenz zwischen Soll und erfasster Arbeitszeit, und im Dienstplan siehst du je Woche, wie viele Stunden einer Kraft schon verplant, noch verfügbar oder überplant sind.

Für Objekte überträgt die Kalkulation (ab dem Starter-Paket) die kalkulierten Stunden als Ziel-Personenstunden in den Auftrag. Die Raumplanung des Auftrags stellt kalkulierte Personenstunden, geplante Schichtstunden und das Ziel gegenüber und warnt, wenn das Ziel überschritten wird. Im Controlling (Pro-Plus-Paket) siehst du je Mitarbeiter Soll-Zeit, Plan-Zeit, Arbeitszeit, Urlaub und Krankheit und je Auftrag Plan-Zeit und Ist-Zeit.

Häufige Fragen

Was ist die Sollzeit?
Die Sollzeit ist die Zeit, die gearbeitet werden soll. Meist ist die Soll-Arbeitszeit gemeint: die Arbeitszeit, die eine Beschäftigte oder ein Beschäftigter laut Arbeitsvertrag schuldet, etwa 20 Stunden pro Woche. In der Kalkulation eines Reinigungsobjekts heißt Sollzeit auch die Zeit, die das Objekt laut Leistungsverzeichnis und Leistungswerten braucht.
Was bedeutet Sollzeit auf der Lohnabrechnung oder im Zeitkonto?
Dort steht die Soll-Arbeitszeit des Monats, also die vertraglich geschuldeten Stunden. Ihr gegenüber steht die Istzeit, die tatsächlich gearbeitete Zeit aus der Zeiterfassung. Die Differenz landet im Zeitkonto: Liegt die Istzeit darüber, entstehen Plusstunden, liegt sie darunter, Minusstunden.
Wie berechne ich die Sollzeit pro Monat?
Teile die Wochenstunden durch fünf und multipliziere mit den Arbeitstagen des Monats. Bei 20 Wochenstunden und 21 Arbeitstagen im November 2026 sind das 84,00 Stunden. Wer jeden Monat gleich rechnet, nimmt Wochenstunden mal 4,35, also 87,00 Stunden. Diesen Faktor nutzt auch der Lohntarifvertrag der Gebäudereinigung für den Monatslohn von Minijobs.
Zählen Urlaub, Krankheit und Feiertage zur Sollzeit?
Ja. Fällt Arbeit wegen eines Feiertags, wegen Urlaub oder Krankheit aus, wird die ausgefallene Arbeitszeit so behandelt, als wäre gearbeitet worden, und bezahlt. Diese Tage erzeugen keine Minusstunden. Feiertage unterscheiden sich nach Bundesland, deshalb kann die Zahl der Arbeitstage im selben Monat verschieden sein.
Was passiert, wenn die Istzeit über der Sollzeit liegt?
In Lohngruppe 1 werden Plusstunden spätestens am 15. des Folgemonats bezahlt. Auf ein Jahresarbeitszeitkonto nach § 4 RTV dürfen nur Kräfte der Lohngruppen 6 bis 9 buchen, mit höchstens 150 Plus- und 30 Minusstunden.
Was ist der Unterschied zwischen Sollzeit und Planzeit?
Die Sollzeit sagt, wie viel gearbeitet werden soll: laut Vertrag für eine Person oder laut Kalkulation für ein Objekt. Die Planzeit ist die Zeit, die im Einsatzplan tatsächlich eingeteilt ist, also die Schichten mit Uhrzeit. Die Istzeit ist die erfasste Arbeitszeit. Weichen Planzeit oder Istzeit dauerhaft von der Sollzeit ab, stimmt entweder der Plan oder die Kalkulation nicht.
Wie berechne ich die Sollzeit für ein Reinigungsobjekt?
Je Raumgruppe teilst du die Fläche durch den Leistungswert und multiplizierst mit den Reinigungen pro Woche. Ein Bürogebäude mit 600 m² kommt so auf 10,42 Stunden pro Woche und, mal 4,33, auf 45,12 Stunden im Monat. Diese Zeit ist die Grundlage für Preis und Einsatzplan.

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