Ratgeber · Kalkulation

Produktive Stunden in der Gebäude­reinigung: von der bezahlten zur echten Arbeitszeit

Wie viele der bezahlten Stunden beim Kunden ankommen, was das je produktive Stunde kostet und wie viele Reinigungskräfte du für einen Auftrag brauchst. Mit Jahresrechnung 2026 und Rechner für den Personalbedarf.

Aktualisiert am 25. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Jahresrechnung: Von 260 bezahlten Tagen bleiben nach 30 Urlaubstagen, 10 Feiertagen und 13 Krankheitstagen 207 produktive, 79,6 %. In Lohngruppe 1 kostet die produktive Stunde deshalb 23,17 € statt 18,45 €.
  • Zeit an Arbeitstagen: Fahrten zwischen Objekten, Rüstzeit und Unterweisungen sind bezahlt, aber nicht berechenbar. 20 Minuten Fahrzeit am Tag erhöhen die Lohnkosten je Stunde beim Kunden um rund 1,13 €.
  • Personalbedarf: Eine Vollzeitkraft arbeitet rund 134,55 Stunden im Monat beim Kunden. Für 1.000 Reinigungsstunden brauchst du 8 Vollzeit-, 15 Teilzeitkräfte mit 20 Stunden oder 32 Minijobs.

Was sind produktive Stunden?

Produktive Stunden, auch Einsatzstunden oder fakturierbare Stunden genannt, sind die Stunden, die eine Reinigungskraft tatsächlich beim Kunden arbeitet. Nur sie kannst du berechnen. Bezahlen musst du mehr: Urlaub, Feiertage und Krankheit, dazu Zeit an Arbeitstagen, in der nicht gereinigt wird, etwa die Fahrt zwischen zwei Objekten. Das Verhältnis heißt Produktivitätsquote. Mit den Annahmen unten liegt sie bei rund 80 %, mit Fahrzeiten zwischen Objekten darunter.

Für die Kalkulation zählt der Kehrwert: Wenn nur rund 80 % der bezahlten Stunden produktiv sind, muss jede produktive Stunde die Kosten von 1,26 bezahlten Stunden tragen. Aus 18,45 € je bezahlte Stunde in Lohngruppe 1 (wie du darauf kommst, steht unter Lohnkostenkalkulation) werden so 23,17 € je produktive Stunde. Mit diesem Wert rechnet der Stundenverrechnungssatz weiter.

  1. Bezahlt260 Tage im Jahr
    18,45 € je Stunde
  2. Ausfall30 Urlaub, 10 Feiertage,
    13 Krankheit
  3. Produktiv207 Tage, 79,6 %
    23,17 € je Stunde
Von der bezahlten zur produktiven Stunde, Lohngruppe 1 mit 23 % Lohnnebenkosten.

Jahresrechnung: von 260 auf 207 Tage

So rechnest du die produktiven Stunden einer Vollzeitkraft mit 39 Stunden pro Woche, also 7,8 Stunden am Tag:

PositionTageStunden
Bezahlte Arbeitstage (Mo bis Fr, gerundet)2602.028,0
Urlaub nach Rahmentarifvertrag− 30− 234,0
Feiertage auf Werktagen− 10− 78,0
Krankheit (bezahlt)− 13− 101,4
Produktive Tage und Stunden2071.614,6

207 von 260 Tagen sind 79,6 %. Jede produktive Stunde trägt also die Kosten von 260 ÷ 207 = 1,256 bezahlten Stunden. Wichtig ist, worauf du den Faktor anwendest: auf die Lohnkosten mit Lohnnebenkosten, nicht nur auf den Bruttolohn. Sozialversicherung zahlst du auch im Urlaub und bei Krankheit.

Für deine eigene Rechnung setzt du drei Zahlen ein:

  • Arbeitstage: 2026 und 2027 haben je 261 Werktage von Montag bis Freitag. Wir rechnen mit 260.
  • Feiertage: Sie hängen vom Bundesland und vom Kalender ab. 2026 fallen bundesweit 7 Feiertage auf Werktage, dazu kommen in Baden-Württemberg und Bayern Heilige Drei Könige und Fronleichnam (9), in Sachsen-Anhalt Heilige Drei Könige, in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland Fronleichnam, in Sachsen der Buß- und Bettag (je 8). Die 10 Tage in unserer Rechnung sind also vorsichtig. Mit 8 Feiertagen kämst du auf 209 produktive Tage und 22,95 € je produktive Stunde.
  • Urlaub: 30 Tage bei einer Fünftagewoche nach § 15 Rahmentarifvertrag, für Teilzeit und Minijobs anteilig nach Arbeitstagen. Das Verhältnis bleibt dasselbe.

Krankenstand: die größte Unsicherheit

Die 13 Krankheitstage sind eine Annahme, und sie sind eher niedrig. Reinigungskräfte gehören zu den Berufen mit den meisten Fehltagen: Bei der BKK Bayern waren sie 2022 im Schnitt 31,4 Kalendertage krankgeschrieben, rund 22,4 Arbeitstage, gegenüber 20,5 Kalendertagen über alle Berufe. Kosten verursachen dir aber nur die bezahlten Tage: Die Lohnfortzahlung endet nach sechs Wochen je Krankheit (§ 3 EFZG), danach zahlt die Krankenkasse. Nimm deshalb die bezahlten Krankheitstage aus deiner Lohnabrechnung des Vorjahres.

Krank­heitproduktivLohn­kostenSVS
8 Tage212 Tage22,63 €29,33 €
13 Tage207 Tage23,17 €30,02 €
18 Tage202 Tage23,75 €30,78 €
22 Tage198 Tage24,23 €31,41 €

Die Lohnkosten in der Tabelle gelten je produktive Stunde in Lohngruppe 1. Jeder zusätzliche Krankheitstag pro Kraft und Jahr kostet rund 0,15 € im Stundensatz, fünf Tage 0,76 €. Betriebe mit bis zu 30 Beschäftigten bekommen über die Umlage U1 einen Teil der Lohnfortzahlung erstattet, für sie wiegt ein Krankheitstag etwas weniger.

Zeit, die an Arbeitstagen verloren geht

Die Jahresrechnung tut so, als würde an jedem Arbeitstag jede bezahlte Minute gereinigt. Das stimmt selten. Drei Posten kommen in fast jedem Betrieb dazu:

Fahrten zwischen Objekten: Nach § 3 Nr. 3.2 Rahmentarifvertrag bezahlst du die direkte Wegezeit zwischen zwei Arbeitsstellen wie Arbeitszeit, wenn die Zwischenzeit höchstens drei Stunden beträgt. Braucht der Weg mehr als die Hälfte der Zwischenzeit, bezahlst du die ganze Zwischenzeit. Ein Beispiel: Objekt A endet um 8:00 Uhr, Objekt B beginnt um 8:40 Uhr, die Fahrt dauert 25 Minuten. Weil 25 Minuten mehr als die Hälfte von 40 Minuten sind, sind alle 40 Minuten Arbeitszeit. Fährt die Kraft mit dem eigenen Auto im Auftrag, kommen 0,30 € je Kilometer dazu (§ 11 RTV).

Rüstzeit: Müssen deine Kräfte zuerst einen Putzraum oder eine Sammelstelle aufsuchen, beginnt die Arbeitszeit dort (§ 3 Nr. 3.1 RTV). Umziehen, Wagen packen, Material holen sind dann bezahlte Zeit.

Unterweisung und Einarbeitung: Wer mit Reinigungschemie arbeitet, muss vor Beginn und mindestens einmal im Jahr unterwiesen werden (§ 14 GefStoffV). Neue Kräfte arbeiten anfangs mit jemandem zusammen, der das Objekt kennt. Beides bezahlst du, berechnen kannst du es nicht.

Was das ausmacht, zeigt eine Vollzeitkraft mit 20 Minuten Fahrzeit an jedem produktiven Tag und 6 Stunden Unterweisung und Teambesprechung im Jahr:

PositionStunden im Jahr
Produktive Stunden laut Jahresrechnung1.614,6
Fahrzeit zwischen Objekten (20 Min. × 207 Tage)− 69,0
Unterweisung, Teambesprechung− 6,0
Stunden beim Kunden1.539,6

Die Quote sinkt von 79,6 % auf 75,9 %, die Lohnkosten je Stunde beim Kunden steigen von 23,17 € auf 24,30 €, also um 1,13 €. Du hast zwei Möglichkeiten, das abzubilden: Entweder du rechnest die Fahrzeiten in die Stunden des jeweiligen Objekts, so empfiehlt es die RAL Gütegemeinschaft Gebäudereinigung für Rüst- und Wegezeiten im Leistungswert. Oder du rechnest sie wie hier in die produktiven Stunden und damit in deinen Satz. Nur fehlen dürfen sie nicht.

Personalbedarf: wie viele Reinigungskräfte du brauchst

Mit den produktiven Stunden je Kraft rechnest du auch, wie viele Leute du für einen Auftrag brauchst. Eine Vollzeitkraft mit 39 Stunden pro Woche arbeitet bei 207 produktiven Tagen 207 × 7,8 ÷ 12 = 134,55 Stunden im Monat beim Kunden. Für 1.000 Reinigungsstunden im Monat brauchst du so viele Kräfte (in Klammern der genaue Wert):

Beschäftigungje KraftKräfte
Vollzeit, 39 Std. pro Woche134,55 Std.8 (7,43)
Teilzeit, 20 Std. pro Woche69,00 Std.15 (14,49)
Minijob, 40,2 Std. im Monat32,01 Std.32 (31,24)

Andersherum gesagt: Für 1.000 Stunden beim Kunden brauchst du 1.256,04 bezahlte Stunden. Die Differenz ist die Kapazität für Urlaubs- und Krankheitsvertretung. Planst du jede Kraft zu 100 % auf feste Objekte, fehlt diese Reserve, und jede Krankmeldung wird zur Suche nach Ersatz.

Für das Bürogebäude aus der Vorkalkulation mit 45,12 Stunden im Monat heißt das: 0,34 Vollzeitstellen oder 56,67 bezahlte Stunden im Monat. Wie du diese Stunden auf zwei Reinigungskräfte mit festen Tagen verteilst, zeigt der Artikel Objektplan und Personenplan.

Personalbedarf rechnen

Vorbelegt mit 1.000 Reinigungsstunden beim Kunden im Monat und Teilzeitkräften zu 20 Stunden pro Woche. Ausfalltage sind Urlaub, Feiertage und Krankheit zusammen.

Std.
Std.
Tage

Produktiv je Kraft im Monat

–

Kräfte rechnerisch

–

Kräfte, aufgerundet

–

Produktive Stunden in Mendato

Deine echte Quote misst du, statt sie zu schätzen. In Mendato erfasst dein Team die Arbeitszeit in der Zeiterfassung per App, Urlaub und Krankheit trägst du als Abwesenheiten ein (ab dem Starter-Paket). Im Arbeitszeitmodell legst du fest, wie Zwischenzeiten vergütet werden, auch nach der Regel des Rahmentarifvertrags: „Zwischenzeiten mit Anfahrt“ vergütet die Anfahrt und die ganze Zwischenzeit, wenn die Anfahrt mehr als die Hälfte davon braucht.

Im Controlling (Pro-Plus-Paket) siehst du je Mitarbeitendem Soll-Zeit, Arbeitszeit, Urlaub, Krankheit und Ausfall sowie je Auftrag Fahrtzeit und Fahrtweg. Aus diesen Zahlen nimmst du deine echten Ausfalltage, statt mit Durchschnittswerten zu rechnen.

Häufige Fragen

Was sind produktive Stunden in der Gebäudereinigung?
Produktive Stunden sind die Stunden, die eine Reinigungskraft tatsächlich beim Kunden arbeitet und die du berechnen kannst. Bezahlt wird mehr: Urlaub, Feiertage, Krankheit, Fahrten zwischen Objekten, Unterweisungen. Das Verhältnis von produktiven zu bezahlten Stunden heißt Produktivitätsquote.
Wie berechne ich die produktiven Stunden einer Vollzeitkraft?
Von rund 260 bezahlten Arbeitstagen im Jahr ziehst du Urlaub (30 Tage nach Rahmentarifvertrag), Feiertage und Krankheitstage ab. Mit 10 Feiertagen und 13 Krankheitstagen bleiben 207 Tage. Bei 39 Stunden pro Woche sind das 207 × 7,8 = 1.614,6 produktive Stunden im Jahr, von 2.028 bezahlten.
Wie hoch ist die Produktivitätsquote in der Gebäudereinigung?
Nur mit Urlaub, Feiertagen und Krankheit liegt sie bei rund 79,6 %. Fährt dein Team zwischen Objekten oder gibt es Unterweisungen, sinkt sie weiter. Mit 20 Minuten Fahrzeit am Tag und 6 Stunden Unterweisung im Jahr sind es im Beispiel 75,9 %.
Wie viele Reinigungskräfte brauche ich für 1.000 Stunden im Monat?
Eine Vollzeitkraft mit 39 Stunden pro Woche arbeitet bei 207 produktiven Tagen rund 134,55 Stunden im Monat beim Kunden. Für 1.000 Stunden brauchst du also 7,43 Vollzeitstellen, aufgerundet 8. Mit Teilzeitkräften zu 20 Stunden pro Woche sind es 15, mit Minijobs zu 40,2 Stunden im Monat 32.
Ist die Fahrzeit zwischen zwei Objekten Arbeitszeit?
Nach dem Rahmentarifvertrag ja, wenn zwischen dem Ende des ersten und dem Beginn des nächsten Objekts höchstens drei Stunden liegen: Dann bezahlst du die direkte Wegezeit wie Arbeitszeit. Braucht der Weg mehr als die Hälfte dieser Zwischenzeit, bezahlst du die ganze Zwischenzeit (§ 3 Nr. 3.2 RTV).
Was kostet ein Krankheitstag mehr im Jahr?
Jeder zusätzliche Krankheitstag pro Kraft und Jahr erhöht den Stundenverrechnungssatz in Lohngruppe 1 um rund 0,15 €. Fünf Tage mehr machen aus 30,02 € schon 30,78 €.

Weiterlesen

Verwandte Begriffe

Miss deine echte Ausfallquote mit Mendato

7 Tage kostenlos testen. Keine Kreditkarte, keine Verpflichtung.

Kostenlos testen