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Nachweisgesetz (NachwG) in der Gebäudereinigung – Pflichten, Fristen & Checkliste

Was ist das Nachweisgesetz? Arbeitgeber müssen wesentliche Arbeitsbedingungen schriftlich festhalten – seit der Reform 2022 mit erweiterten Pflichtangaben und Bußgeldern. Alles, was Gebäudedienstleister wissen müssen.

März 2026 8 Min. Lesezeit Tarif & Recht

Zusammenfassung – Nachweisgesetz auf einen Blick

Das Nachweisgesetz (NachwG) verpflichtet Arbeitgeber, die wesentlichen Arbeitsbedingungen schriftlich festzuhalten und dem Arbeitnehmer auszuhändigen.

Seit der Reform vom 1. August 2022 umfasst der Pflichtenkatalog über 15 Angaben – von Entgelt und Arbeitszeit über Probezeit und Überstundenregelungen bis hin zu Kündigungsverfahren und betrieblicher Altersvorsorge.

Neu seit 2022: Bei Verstößen drohen Bußgelder bis 2.000 € pro Fall und pro Arbeitnehmer.

Für Gebäudereiniger mit vielen Teilzeitkräften und Minijobbern ist das besonders relevant – jeder Arbeitsvertrag muss die Pflichtangaben enthalten.

01 – DefinitionWas ist das Nachweisgesetz?

Das Nachweisgesetz (NachwG) ist ein Bundesgesetz, das Arbeitgeber verpflichtet, die wesentlichen Bedingungen eines Arbeitsverhältnisses schriftlich niederzulegen und dem Arbeitnehmer auszuhändigen.

Es existiert seit 1995, wurde aber zum 1. August 2022 grundlegend überarbeitet – als Umsetzung der EU-Arbeitsbedingungenrichtlinie (EU 2019/1152). Die Reform hat den Pflichtenkatalog deutlich erweitert und erstmals Bußgelder eingeführt.

Warum ist das für Gebäudereiniger wichtig?

Die Branche hat eine hohe Personalfluktuation und beschäftigt viele Minijobber und Teilzeitkräfte. Bei jeder Neueinstellung muss ein NachwG-konformer Arbeitsvertrag vorliegen. Wer mit veralteten Vertragsmuster arbeitet, riskiert systematische Verstöße – bei 50 Mitarbeitenden potenziell 100.000 € Bußgeld.

02 – PflichtangabenWas muss im Nachweis stehen?

Der Pflichtenkatalog nach § 2 NachwG umfasst seit der Reform 2022 folgende Angaben:

Nr.PflichtangabePraxishinweis für Gebäudereiniger
1Name & Anschrift der VertragsparteienVollständige Firmierung + Mitarbeiteradresse
2Zeitpunkt des Beginns des ArbeitsverhältnissesErstes Einsatzdatum
3Bei Befristung: Enddatum oder vorhersehbare DauerBefristungen bei Saisonreinigung üblich
4Arbeitsort (oder Hinweis auf wechselnde Orte)Wichtig: „Wechselnde Einsatzorte im Raum [Stadt/Region]“
5Beschreibung der Tätigkeitz. B. „Unterhaltsreinigung gemäß Leistungsverzeichnis“
6Dauer der ProbezeitMax. 6 Monate, kürzere Fristen möglich
7Zusammensetzung & Höhe des EntgeltsLohngruppe, Stundenlohn, Zuschläge einzeln aufschlüsseln
8Fälligkeit des EntgeltsAuszahlungstag (z. B. „zum 15. des Folgemonats“)
9Vereinbarte ArbeitszeitWochenstunden + ggf. Verteilung auf Wochentage
10Regelungen zu Überstunden & deren VergütungNeu seit 2022: Konkrete Regelung erforderlich
11UrlaubsanspruchTariflicher Urlaub (oft über gesetzlichem Minimum)
12Ggf. betriebliche AltersversorgungNeu seit 2022
13KündigungsfristenGestaffelt nach Betriebszugehörigkeit (RTV)
14Kündigungsverfahren (Schriftform + Klagefrist)Neu seit 2022: Hinweis auf § 7 KSchG (3-Wochen-Frist)
15Hinweis auf anwendbare TarifverträgeRTV, Lohntarifvertrag – allgemeinverbindlich
16Ggf. Anspruch auf FortbildungNeu seit 2022

Praxistipp: Arbeitsvertrag = Nachweis

Du musst kein separates Dokument erstellen. Wenn dein Arbeitsvertrag alle Pflichtangaben enthält, erfüllt er gleichzeitig die Nachweispflicht. Die meisten Gebäudereiniger lösen es so – aber dafür müssen die Vertragsmuster aktuell sein.

03 – FristenWann muss was vorliegen?

Das NachwG staffelt die Fristen in drei Stufen:

1 Tag 1 Name, Entgelt, Arbeitszeit 7 Tag 7 Arbeitsort, Probezeit, Überstunden, Pausen 30 Monat 1 Vollständige Niederschrift inkl. Urlaub, Kündigung, Tarif

Praxisempfehlung

Die gestaffelten Fristen sind in der Praxis unnötig kompliziert. Am einfachsten: Unterschriebener Arbeitsvertrag mit allen Pflichtangaben liegt am ersten Arbeitstag vor. Dann bist du automatisch NachwG-konform – ohne über Fristen nachdenken zu müssen.

04 – Reform 2022Was sich geändert hat

Vor der Reform (bis 31.07.2022)

  • Nur 10 Pflichtangaben
  • Keine Bußgelder bei Verstößen
  • Frist: 1 Monat für alles
  • Kein Hinweis auf Kündigungsverfahren nötig
  • Keine Überstundenregelung erforderlich

Nach der Reform (ab 01.08.2022)

  • Über 15 Pflichtangaben
  • Bußgelder bis 2.000 € pro Verstoß
  • Gestaffelte Fristen (Tag 1 / Tag 7 / Monat 1)
  • Kündigungsverfahren + Klagefrist-Hinweis
  • Überstundenregelung, Probezeit, Fortbildung, bAV

Galt die Reform rückwirkend?

Für Neuverträge ab dem 1. August 2022 gelten die neuen Regeln sofort. Für Bestandsverträge mussten die fehlenden Angaben auf Verlangen des Arbeitnehmers innerhalb von 7 Tagen bzw. einem Monat nachgereicht werden. Viele Betriebe haben ihre Vertragsmuster bis heute nicht aktualisiert – ein Risiko.

05 – FormSchriftform – Papier oder digital?

Das NachwG verlangt die Schriftform nach § 126 BGB: ein Dokument auf Papier mit eigenhändiger Unterschrift des Arbeitgebers.

Keine elektronische Form erlaubt

Im Gegensatz zu vielen anderen arbeitsrechtlichen Dokumenten reicht weder E-Mail noch PDF noch elektronische Signatur. Das NachwG schließt die elektronische Form ausdrücklich aus (§ 2 Abs. 1 Satz 3 NachwG).

Das wird vielfach kritisiert – ändert aber aktuell nichts an der Rechtslage. Ein rein digital geschlossener Arbeitsvertrag erfüllt die Nachweispflicht nicht.

Tipp: Der unterschriebene Arbeitsvertrag in Papierform erfüllt die Nachweispflicht – wenn er alle Pflichtangaben enthält. Digital erstellte Verträge müssen also ausgedruckt und unterschrieben werden.

06 – BußgelderWas bei Verstößen droht

Seit der Reform 2022 ist ein Verstoß gegen das NachwG eine Ordnungswidrigkeit (§ 4 NachwG):

VerstoßBußgeldBerechnung
Fehlende NiederschriftBis 2.000 €Pro Arbeitnehmer
Unvollständige AngabenBis 2.000 €Pro fehlende Angabe & pro AN
Verspätete AushändigungBis 2.000 €Pro Arbeitnehmer
Nicht-Aktualisierung bei ÄnderungenBis 2.000 €Pro Arbeitnehmer

Rechenbeispiel

Ein Betrieb mit 50 Reinigungskräften hat veraltete Vertragsmuster ohne Überstundenregelung und Kündigungsverfahrens-Hinweis (2 fehlende Angaben).

Maximales Bußgeld: 50 AN × 2 Verstöße × 2.000 € = 200.000 €

In der Praxis fallen die Bußgelder meist niedriger aus – aber die Summe bei vielen Mitarbeitenden ist das Risiko.

07 – ChecklisteNachwG-Checkliste für Gebäudereiniger

Prüfe deinen Arbeitsvertrag – enthält er alles?

✓ Name & Anschrift beider Vertragsparteien

✓ Arbeitsbeginn (und ggf. Befristungsdatum)

✓ Arbeitsort – bei wechselnden Objekten: „Wechselnde Einsatzorte im Raum [Region]“

✓ Tätigkeitsbeschreibung – z. B. „Unterhaltsreinigung gem. Leistungsverzeichnis“

✓ Probezeit – Dauer explizit angeben

✓ EntgeltLohngruppe, Stundenlohn, Zuschläge einzeln aufschlüsseln

✓ Entgelt-Fälligkeit – Auszahlungstag benennen

✓ Arbeitszeit – Wochenstunden + Verteilung

✓ Überstundenregelung – ob/wie Überstunden anfallen und vergütet werden

✓ Urlaubsanspruch – tariflich + ggf. übertariflich

✓ Kündigungsfristen – gestaffelt nach Betriebszugehörigkeit

✓ Kündigungsverfahren – Schriftform-Hinweis + 3-Wochen-Klagefrist

✓ Tarifvertrags-Hinweis – „Es gilt der allgemeinverbindliche RTV der Gebäudereinigung“

✓ Betriebliche Altersvorsorge – ob vorhanden + Träger

✓ Fortbildungsanspruch – ob vorhanden

✓ Papierform – unterschrieben, nicht nur per E-Mail

08 – DigitalisierungUmsetzung mit Mendato

Das NachwG erfordert zwar Papierform für den Nachweis selbst – aber die dahinterliegenden Daten können digital verwaltet werden:

Mitarbeiterdaten zentral pflegen

In Mendato sind alle vertragsrelevanten Daten je Mitarbeiter hinterlegt: Lohngruppe, Wochenstunden, Arbeitsort, Vertragsbeginn, Befristung. So hast du die Grundlage für NachwG-konforme Verträge.

Änderungen dokumentieren

Bei Änderungen der Arbeitsbedingungen (z. B. Lohnerhöhung, neuer Einsatzort) muss der Nachweis aktualisiert werden. Mendato dokumentiert alle Änderungen mit Zeitstempel – so weißt du, wann ein neuer Nachweis fällig ist.

Vorbereitende Lohnbuchhaltung

Die in Mendato gepflegten Entgeltdaten fließen direkt in die vorbereitende Lohnbuchhaltung ein – konsistent mit den im Arbeitsvertrag festgehaltenen Angaben.

FazitNachwG-Compliance ist günstig – Verstöße sind teuer

Die Anpassung der Vertragsmuster kostet einmalig ein paar Stunden – Verstöße kosten dauerhaft. Wer seine Arbeitsverträge seit August 2022 nicht aktualisiert hat, sollte das jetzt nachholen.

Deine nächsten Schritte:

• Aktuelles Vertragsmuster mit allen 15+ Pflichtangaben erstellen (lassen)
• Bestehende Verträge prüfen und bei Bedarf Ergänzungsvereinbarungen aushändigen
• Bei jeder Änderung der Arbeitsbedingungen den Nachweis aktualisieren
• Immer Papierform mit Unterschrift – kein E-Mail-Versand
• Aushändigung dokumentieren (Empfangsbestätigung unterschreiben lassen)

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09 – FAQHäufig gestellte Fragen

Was ist das Nachweisgesetz?
Das Nachweisgesetz (NachwG) verpflichtet Arbeitgeber, die wesentlichen Arbeitsbedingungen schriftlich festzuhalten und dem Arbeitnehmer auszuhändigen. Seit der Reform 2022 umfasst der Pflichtenkatalog deutlich mehr Angaben als zuvor.
Welche Angaben muss der Arbeitsvertrag nach dem NachwG enthalten?
Pflichtangaben umfassen u. a.: Name und Anschrift der Vertragsparteien, Arbeitsbeginn, Arbeitsort, Tätigkeitsbeschreibung, Zusammensetzung und Höhe des Entgelts, Arbeitszeit, Urlaub, Kündigungsfristen, Hinweis auf anwendbare Tarifverträge, Probezeit, Fortbildungsanspruch, betriebliche Altersvorsorge und das Verfahren bei Kündigung.
Welche Fristen gelten für den Nachweis?
Am ersten Arbeitstag müssen bereits die wichtigsten Angaben vorliegen (Name, Entgelt, Arbeitszeit). Spätestens am 7. Kalendertag müssen weitere Pflichtangaben nachgereicht werden. Die vollständige Niederschrift muss spätestens einen Monat nach Arbeitsbeginn ausgehändigt werden.
Was passiert bei Verstoß gegen das Nachweisgesetz?
Seit August 2022 ist ein Verstoß gegen das Nachweisgesetz eine Ordnungswidrigkeit mit Bußgeldern bis zu 2.000 Euro pro Verstoß und pro Arbeitnehmer. Bei 50 Reinigungskräften ohne korrekte Nachweise können sich die Bußgelder schnell summieren.
Muss der Nachweis auf Papier erfolgen?
Ja, das NachwG verlangt die Schriftform – also ein eigenhändig unterschriebenes Papier-Dokument. Die elektronische Form (E-Mail, PDF) reicht nach aktuellem Stand nicht aus. Der Arbeitsvertrag selbst kann die Nachweispflicht erfüllen, wenn er alle Pflichtangaben enthält.
Was hat sich 2022 am Nachweisgesetz geändert?
Die Reform vom 1. August 2022 hat den Pflichtenkatalog erheblich erweitert (u. a. um Probezeit, Überstundenregelungen, Fortbildungsanspruch, betriebliche Altersvorsorge, Kündigungsverfahren) und erstmals Bußgelder bei Verstößen eingeführt.